Seit wann feiern Menschen Karneval?
Karneval ist ein Spielfest. Menschen spielen „verkehrte Welt“. Da darf schwarz mal weiss, grau mal bunt, arm mal reich, schlau mal dumm, weiblich mal männlich sein. Natürlich alles auch umgekehrt. Solche Spiele haben Menschen schon immer gespielt. Als die Römer vor rund zweitausend Jahren die Mächtigsten der Welt waren, liessen sie ihre Sklaven einmal im Jahr Herren spielen. Die Oberen waren dann ganz unten und mussten ihren Dienern gehorchen. Das nannten sie zwar nicht Karneval, doch ein „Verkehrte-Welt-Spiel“ war das auch.
Wegen der Ähnlichkeit solcher Feste mit unseren heutigen „tollen Tagen“ glaubte man lange Zeit, Karneval stamme von den Römern ab. Das stimmt aber nicht. Deren Feste dienten einer anderen Idee. Sie waren bestimmten Göttern wie dem Weingott Bacchus oder dem Ackergott Saturn gewidmet und hiessen deshalb Saturnalien oder . Ähnliche Feste gab es, natürlich wieder unter anderen Namen auch in anderen Kulturen und zu anderen Zeiten.
„Unser“ Karneval taucht erst seit dem Mittelalter auf. In alten Schriften der Mönche, die vor etwa 800 Jahren entstanden, lesen wir erstmals von ihm. Das war die zeit, als in Europa das Christentum sich als Religion durchgesetzt hatte. Karneval hängt mit dem Christentum eng zusammen, wie du unter dem Stichwort „Fasten“ noch näher erfahren wirst. Religionen haben ihre Regeln. Und weil die meist streng sind, planen sie für die Gläubigen Ausnahmen von der Regel ein. Denn die Menschen spürten schon immer, dass ein Leben nur mit Vernunft und Gehorsam schwer auszuhalten ist, so wichtig diese Eigenschaften für eine Gemeinschaft auch sind. So spielten die frommen Mönche und Nonnen an bestimmen Tagen „verrückt“. Sie machten Unfug, anstatt zu beten. Die sonst so brav und bescheiden lebenden Klostermenschen tanzten und küssten, assen und tranken viel und gehorchten nicht mehr ihren Vorstehern, dem Abt, der Äbtissin. In der damaligen Sprache hörte sich das so an: „Wir haben die Fastnacht in aller Lust passiert… und uns recht lustig gemacht. … Des nachts, als die Frau Äbtissin schlafen ist gewesen, dann haben wir Thee, Kaffee und Chokolade getrunken und mit der Kart gespielt.“ Das Fest hiess Fastnacht. Es war die ausgelassene Nacht vor dem Beginn der damals sehr strengen Fastenzeit.
Aus dem Buch: „Karneval wie geht das?“ von Wolfgang Oelsner, J.P. Bachem Verlag, Köln“ Erhältlich im Kölner Karnevalsmuseum, Maarweg 134-136, 50825 Köln oder unterwww.bachem-verlag.de.

